Recruiting-Videos: Was Videoinhalte in der Personalgewinnung wirklich leisten

Recruiting-Videos, Employer Branding, Produktion: Was Videoinhalte in der Personalgewinnung wirklich leisten – und wie Schweizer KMU sie mit vernünftigem Aufwand einsetzen.

Wer eine Stelle besetzen will, muss eine einfache Frage beantworten: Wie ist es, hier zu arbeiten? Ein Inserat kann das behaupten, ein Video kann es zeigen. Genau deshalb sind Recruiting-Videos in der Personalgewinnung nicht Beiwerk, sondern das Mittel, mit dem sich ein Betrieb von austauschbaren Ausschreibungen unterscheidet – vorausgesetzt, im Video passiert etwas Echtes und nicht nur eine bewegte Version des Inserats. Gleichzeitig scheitern viele Videoprojekte, weil sie zu aufwendig gedacht, zu lang geschnitten oder ohne Ziel produziert werden. Dieser Beitrag zeigt, welche Videoformate sich für die Personalgewinnung lohnen, wie sie mit vertretbarem Aufwand entstehen und woran sie meistens scheitern.


Warum Video im Recruiting mehr transportiert als Text

Der Vorteil von Video liegt nicht in der Technik, sondern in der Menge an Information, die gleichzeitig ankommt. Wer eine Werkstatt sieht, erkennt Ordnung, Ausstattung und Umgangston in wenigen Momenten. Wer eine Mitarbeiterin über ihre Arbeit sprechen hört, spürt, ob der Ton stimmt. Diese Eindrücke lassen sich schriftlich beschreiben, aber kaum belegen – und deshalb glaubt man sie im Text seltener.

Dazu kommt der Ort, an dem Recruiting heute stattfindet. In sozialen Netzwerken bekommt bewegtes Bild deutlich mehr Aufmerksamkeit als ein Textbeitrag, weil das Format zur Nutzung passt. Wer dort Menschen ansprechen will, die nicht auf Stellensuche sind, hat mit Video die bessere Ausgangslage. Und das Material lässt sich mehrfach nutzen: in Anzeigen, auf der Karriereseite, im Bewerbungsprozess und in der Einarbeitung.


Welche Videoformate sich lohnen

Nicht jedes Video erfüllt denselben Zweck. Sinnvoll ist, wenige Formate gezielt zu produzieren statt ein einzelnes Imagevideo, das alles gleichzeitig soll.

  • Das Mitarbeitenden-Statement: Eine Person aus dem Team erzählt in eigenen Worten, was sie macht und warum sie bleibt. Es ist das glaubwürdigste Format überhaupt und braucht keine Inszenierung, sondern eine gute Frage. Wichtig ist, dass die Person freiwillig mitmacht und nicht auswendig gelernte Sätze aufsagt.

  • Der Einblick in den Arbeitsalltag: Aufnahmen aus der Werkstatt, dem Büro, der Station oder von der Baustelle, die zeigen, wie tatsächlich gearbeitet wird. Damit beantwortet man die Fragen, die niemand im Erstgespräch stellt. Auch unspektakuläre Bilder wirken, wenn sie echt sind.

  • Das stellenspezifische Video: Ein kurzes Video pro offener Position, in dem die Aufgaben, das Arbeitszeitmodell und die direkte Führungsperson vorkommen. Es filtert vor, weil unpassende Interessenten sich selbst herausnehmen. Genau das entlastet den späteren Auswahlprozess.

  • Das Kurzformat für Anzeigen: Vertikal aufgenommen, in den ersten Sekunden auf den Punkt, mit Untertiteln versehen. Es dient nicht der vollständigen Information, sondern nur dazu, den Klick auszulösen. Deshalb gehört hierhin die wichtigste Aussage und sonst nichts.

  • Das Video für den Eintritt: Eine kurze Orientierung für neue Mitarbeitende – wer wer ist, wo was liegt, wie der erste Tag abläuft. Es senkt die Unsicherheit vor dem Start und entlastet die Einführung. Einmal produziert, läuft es über Jahre weiter.


Wie ein Recruiting-Video entsteht

Der Ablauf ist einfacher als vermutet. Zuerst wird festgelegt, wofür ein Video gebraucht wird und wer es sehen soll. Danach entsteht ein kurzer Drehplan: welche Personen, welche Orte, welche Aussagen, welche Bilder. Dann wird an einem halben oder ganzen Tag im Betrieb gefilmt – idealerweise während der normalen Arbeit, nicht in einer nachgestellten Szene. Zum Schluss wird geschnitten, untertitelt und in mehreren Längen ausgespielt.

Entscheidend ist, dass an einem Drehtag Material für mehrere Videos entsteht. Wer nur ein einzelnes Video plant, zahlt für die Vorbereitung fast dasselbe und erhält einen Bruchteil des Nutzens. Sinnvoll ist deshalb, den Dreh so anzulegen, dass Aussagen von mehreren Personen, Bilder aus mehreren Bereichen und Aufnahmen für verschiedene Formate im Kasten sind. Die Qualität entsteht dabei weniger über die Kamera als über Ton, Licht und gute Fragen.


Wo Videos im Bewerbungsweg wirken

Ein Video ist kein Selbstzweck, sondern ein Element in einer Kette. Am Anfang steht das Kurzformat in der Anzeige, das Aufmerksamkeit erzeugt. Auf der Karriereseite folgt das längere Video, das die Entscheidung stützt: Passt der Betrieb, passt die Rolle, passt der Ton. Nach der Bewerbung kann ein kurzes Video der Führungsperson die Wartezeit überbrücken, und nach der Zusage nimmt das Eintrittsvideo Unsicherheit.

Ob ein Video wirkt, lässt sich beobachten, ohne dass dafür komplexe Auswertungen nötig sind. Wie viele Personen schauen weiter, statt wegzuwischen? Wie viele klicken danach? Wie viele Bewerbungen entstehen im Verhältnis zu den Klicks? Wenn ein Video viel Aufmerksamkeit bringt, aber wenige Bewerbungen, stimmt meistens die Aussage nicht mit der Stelle überein. Wenn wenige weiterschauen, liegt das fast immer am Einstieg.


Die häufigsten Fehler

Der häufigste Fehler ist das Hochglanzvideo ohne Substanz: Drohnenaufnahmen, Musik, lächelnde Menschen in Zeitlupe, und am Ende weiss niemand, wie die Arbeit aussieht. Solche Videos gefallen intern und wirken extern beliebig. Der zweite Fehler ist die Länge. Wer alles unterbringen will, verliert die Zuschauer, bevor die wichtigste Aussage kommt – und die wichtigste Aussage gehört an den Anfang, nicht an den Schluss.

Der dritte Fehler betrifft die Beteiligten. Wenn die Geschäftsleitung spricht statt der Menschen, die die Arbeit machen, verliert das Video seine Glaubwürdigkeit. Der vierte Fehler ist, das Video zu produzieren und dann liegen zu lassen: Ohne bezahlte Ausspielung und ohne Platz auf der Karriereseite sieht es kaum jemand. Und der fünfte: fehlende Untertitel, weil ein grosser Teil der Zuschauer ohne Ton schaut.


Was KMU ohne grosses Budget tun können

Ein Videoprojekt muss nicht mit einer Produktionsfirma beginnen. Ein Handy mit einem Ansteckmikrofon, Tageslicht und eine ruhige Ecke im Betrieb reichen für ein brauchbares Mitarbeitenden-Statement. Wichtiger als die Ausrüstung ist die Vorbereitung: einige vorbereitete Fragen, eine Person, die gerne erzählt, und die Bereitschaft, mehrere Anläufe zu machen. Ein Pflegeheim, das Nachtdienste besetzen muss, kommt mit einem ehrlichen Statement aus dem Team weiter als mit einer aufwendigen Produktion über Werte.

Wer professionelle Unterstützung einsetzt, sollte den Aufwand bündeln. Ein Drehtag, an dem mehrere Personen und mehrere Bereiche aufgenommen werden, ergibt Material für die kommenden Monate – für Anzeigen, Karriereseite und einzelne Stellen. So verteilen sich die Kosten über viele Ausschreibungen, statt auf eine einzige. Wichtig ist nur, dass vor dem Dreh feststeht, welche Stellen im Jahresverlauf zu besetzen sind.


Fazit

Wer mit Recruiting-Videos beginnen will, sollte nicht das grosse Imagevideo planen, sondern mit einem einzigen Mitarbeitenden-Statement zur dringlichsten Stelle anfangen – kurz, ehrlich, untertitelt, danach in einer Anzeige ausgespielt und auf der Karriereseite platziert. Aus den Reaktionen zeigt sich innerhalb weniger Wochen, was zieht und was fehlt. Erst mit dieser Erfahrung lohnt sich ein grösserer Drehtag, an dem Material für mehrere Stellen und Formate gleichzeitig entsteht.


Häufige Fragen zu Recruiting-Videos

Wie lang sollte ein Recruiting-Video sein? Das hängt vom Einsatzort ab: In einer Anzeige braucht es die Kernaussage sofort und ein sehr kurzes Format, auf der Karriereseite darf es ausführlicher sein. Als Regel gilt, dass jedes Video so lang sein soll wie nötig und keinen Moment länger. Alles, was nicht zur Entscheidung beiträgt, gehört heraus.

Braucht es dafür eine professionelle Produktion? Nicht zwingend. Ein sauber aufgenommenes Handyvideo mit gutem Ton wirkt besser als eine teure Produktion ohne Aussage. Professionelle Unterstützung lohnt sich vor allem dann, wenn an einem Tag Material für mehrere Stellen und Formate entstehen soll.

Was tun, wenn niemand im Team vor die Kamera will? Zuerst fragen, woran es liegt – meistens ist es die Sorge, etwas Falsches zu sagen. Ein Gespräch ohne Skript, aufgenommen am gewohnten Arbeitsplatz und mit der Zusage, das Ergebnis vor der Veröffentlichung freizugeben, löst das in vielen Fällen. Zwingen sollte man niemanden, weil der Zwang im Video sichtbar wird.

Wie oft muss neues Videomaterial produziert werden? Grundlagenmaterial über den Betrieb hält lange, solange sich Räumlichkeiten und Team nicht stark verändern. Stellenspezifische Videos und Kurzformate für Anzeigen nutzen sich schneller ab, weil dieselbe Zielgruppe sie mehrfach sieht. Ein Nachschub in grösseren Abständen genügt, wenn beim Dreh genug Varianten entstanden sind.

SPRUNG. ist HR Business Partner für Schweizer KMU und produziert Recruiting-Inhalte, die zur Stelle passen – mit Employer Branding, Social Recruiting und schlanken Prozessen statt Provision. Jetzt unverbindlich austauschen.

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